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Ihre Ausstellung NO WAR NO VIETNAM

Frau Veronika Witte

Künstlerische Leiterin

Kunstverein Tiergarten / Galerie Nord

Turmstr.75 – 10551 Berlin

Berlin den 23.08.2018

Betr.: Ihre Ausstellung NO WAR NO VIETNAM vom 24.08.2018 bis 06.10.2018 im Galerie Nord Berlin

Sehr geehrte Frau Veronika Witte,

haben Sie zunächst vielen Dank für die Bekanntgabe Ihrer Ausstellung NO WAR NO VIETNAM. Mit großem Interesse haben wir die Einladung des Kunstvereins Tiergarten zur Eröffnung der neuen Ausstellung in der Galerie Nord am 24.8.2018 gelesen. Darin heben Sie die Bedeutung des „Vietnam-Krieges“ für die 68er Bewegung hervor. Und stellen sich die Frage: „Hätten wir 1968 Vietnam wahrgenommen ohne den dort stattfindenden Krieg?“

Der Leser Ihrer Einladung zur Ausstellungseröffnung am 24.08.2018 in der Galerie Nord kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier mit sehr subtilen Mitteln der Kunst erneut das vietnamesische Volk gespalten wird. Sie führen weiterhin den Angriff gegen das vietnamesische Volk, indem Sie das Leid aller Vietnamesen im Krieg nicht im Ganzen wahrnehmen, respektieren sondern mit den Mitteln der Kunst realitätsfern und verzerrt darstellen.

Sie verschweigen die ganze Grausamkeit des Expansionskriegs des Kommunismus in Südostasien. Sie verschweigen gezielt wie die Südvietnamesen den Verteidigungskampf gegen die Kommunisten tapfer geführt hatten. Sie verhöhnen sie auch noch. Sie verschweigen beabsichtigt das von den Vietcongs in Hue, Mittelvietnam verübte Massaker bei der Tet-Offensive 1968 vor 50 Jahren.

Bei der Friedenbewegung 1968 wurde Ho Chi Minh als Friedensymbol in Deutschland hochgelobt. Tatsächlich war er ein Kriegsverbrecher gegen sein eigenes Volk.

Wo waren denn die 68er Stimmen, die sich laut und vehement gegen Gewalt und Krieg in Vietnam gerichtet haben, als Südvietnam trotz des Pariser Friedensabkommens 1973 von den Nordvietnamesischen Kommunisten und deren Verbündete mit brutaler Waffengewalt angegriffen wurde? Wer hat hier Gewalt gegen wen angewendet? Es stellt sich die Frage, ob die 68er bewusst im Auftrag des Internationalen Kommunismus handelten oder unbewusst von diesem instrumentalisiert wurden. Fakt ist, dass sie durch ihre Ignoranz und einseitige Stellungnahme direkt dazu beigetragen haben, dass Vietnam heute durch die unmenschliche,

kommunistische Führung Millionen Toten und das größte Leid der Bevölkerung im Krieg und nach dem Krieg in seiner Geschichte zu beklagen hat.

Eine öffentliche Entschuldigung oder ein offizielles Bedauern der 68er Vertreter ist bis heute ausgeblieben.

Skrupellos und ignorant wird immer wieder über Agent Orange berichtet, und über die größte von den kommunistischen Machthabern verursachte Umweltkatastrophe vom April 2016 geschwiegen. Mehrere Hundert Kilometer der Mittelküste Vietnams wurden aus Habgier und Machtmissbrauch schwerst verseucht für lange Jahrzehnte. Der sogenannte Sündenfall namens FORMOSA!

Auch das Foto von dem Mädchen Kim Phuc wird seit Jahrzehnten immer wieder genutzt, um das vietnamesische Volk zu spalten, ohne auch nur nachzufragen, wie die kommunistische Propaganda sie missbraucht hat, und wie sie nach Kanada geflüchtet war, um der Diktatur zu entkommen. (Siehe das Buch „Das Mädchen hinter dem Foto“ von Denise Chong, Brunnen Verlag Basel).

Spätestens nach der Entführung des Vietnamesen Trịnh-Xuân-Thanh mitten am Tag im Berliner Tiergarten im Juli 2017 mithilfe von Deutschland ausgebildeten vietnamesischen kommunistischen Geheimdienstlern müssen wir, deutsche Staatsbürger vietnamesischer Abstammung, uns die Frage stellen, WERDEN DIE VIETNAMESICH STÄMMIGEN in DEUTSCHLAND ERNEUT WIE IM KALTEN KRIEG INSTRUMENTALISIERT, um die Position der politischen Machthaber im Land und in der Welt zu sichern.

Und zuletzt : wo sind die 68er wenn in Vietnam Hunderte von Dissidenten, Bloggern, Künstlern und Menschenrechtsverteidigern überfallen, verhaftet, gefoltert und zu schwersten Freiheitstrafen verurteilt werden? (Siehe Berichte bei Amnesty international und des Auswärtigen Amtes).

Sehr geehrte Frau Veronika Witte,

Kunst von Politik zu trennen ist ein unerfüllbarer Wunsch der Menschheit, seit die Desposten verstehen, Kunst für ihre Machterhaltung zu missbrauchen.

Trotz dieser Diskrepanz sind wir dennoch der Meinung, dass wir – Demokraten -, zu denen Sie bestimmt gehören, miteinander statt übereinander reden müssen.

Wir würden uns freuen, in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen die Diskrepanz klären zu können.

Wir wünschen Ihnen Zeit und Muße zum Nachdenken über ein Gespräch mit uns. Sagen Sie uns nicht ab! Wir sind Demokraten.

Hochachtungsvoll

Frau Dr. med. Hoang Thi My Lam

Vorsitzende des Bundesverbands der vietnamesischen Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland e.V.